Diebstahl im Arbeitsverhältnis – und die Folgen

19.11.2020

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein bestätigte in einem Berufungsverfahren – 1 Sa 401/18 – die Verurteilung eines als Direktionsassistent beschäftigten Arbeitnehmers zum Schadensersatz in Höhe von 39.500 € wegen des Diebstahls von 2 Flaschen Rotwein „Chateau Petrus Pommerol 1999“ – eine wohl weltweit gesuchte Rarität – aus dem Weinkeller des Hotels, in dem er angestellt war. Im Jahr 2009 hatte der Arbeitgeber den Wein für rd. 14.000 € an einen (zahlungskräftigen) Hotelgast verkauft und für ihn im Weinkeller des Hotels eingelagert. Dort entwendete der Direktionsassistent die beiden Weinflaschen und verkaufte sie für 18.000 € an einen Weinhändler. Nach Bekanntwerden dieses Sachverhalts in 2015 wurde das Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt.

Der Hotelgast erhob Schadensersatzforderungen gegen den Arbeitgeber über insgesamt 39.500 €. Dieser Betrag, den er in 2015 für den anderweitigen Erwerb zweier Flaschen Wein dieser seltenen Provenienz aufwenden musste, wurde ihm ersetzt und nun der untreue Direktionsassistent von seinem vormaligen Arbeitgeber in Regress genommen.

In dem Prozess war die Schadensersatzverpflichtung nach § 823 Abs. 1 BGB wegen der Verletzung des Besitzrechts des Arbeitgebers dem Grunde nach unstreitig. Nach Einholung eines Sachverständigengutachtens urteilte das Berufungsgericht, dass der zur Ersatzbeschaffung aufgewendete Betrag zur Wiederherstellung des nach § 249 Abs. 1 BGB geschuldeten Zustandes erforderlich war. Der Arbeitnehmer musste zahlen.

Dieser kuriose Fall macht deutlich, dass Vermögensstraftaten im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ungeahnt teuer werden können. Nicht nur droht regelmäßig der Verlust des Arbeitsplatzes (und häufig auch noch ein Strafverfahren), im Einzelfall drohen auch außergewöhnlich hohe Schadensersatzforderungen. Nebenbei bemerkt: Der Direktionsassistent war ersichtlich kein echter Weinkenner, sonst hätte er dem Weinhändler die Flaschen nicht so überaus „günstig“ angeboten.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Peter Jäcksch