Notarielles Nachlassverzeichnis als Druckmittel des Pflichtteilsberechtigten

15.11.2023

Die nächsten Familienangehörigen (Abkömmlinge, Ehegatte sowie die Eltern, letztere sofern der Erblasser ohne Hinterlassung von Kindern verstorben ist) des Verstorbenen haben einen Anspruch auf den Pflichtteil, wenn sie durch eine Verfügung von Todes wegen (z.B. einem Testament) von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, ist also häufig betragsmäßig nicht zu unterschätzen.

Im Rahmen der Geltendmachung dieses Anspruchs auf den Pflichtteil wird dann in der Regel Auskunft von dem/den Erben hinsichtlich des Nachlasses und seinem Wert zum Todestag des Erblassers verlangt, da hiervon die Höhe des Pflichtteilsanspruchs abhängt. Sofern mit der Auskunft keine Zufriedenheit besteht wird regelmäßig zur Nachbesserung aufgefordert und angekündigt, dass vom Erben ein notarielles Nachlassverzeichnis verlangt wird, sofern nicht die erwünschten Korrekturen erfolgen. Dies stellt ein wirkungsvolles Druckmittel dar.

Ein notarielles Nachlassverzeichnis zu erstellen ist für Erben sehr zeitaufwendig und schwierig. So ist bereits die Suche nach einem Notar häufig schwierig. Zudem müssen zahlreiche Unterlagen herbeigebracht werden, so z. B. die Kontoauszüge des Erblassers der letzten zehn Jahre. Keine Aufgaben, die man in psychisch belastende Zeiten gerne erfüllt.

Für den Pflichtteilsberechtigten hat die Erstellung eines notariellen Nachlassverzeichnisses jedoch nicht nur Vorteile. So werden die Kosten hierfür zunächst vom Wert des Nachlasses abgezogen mit der Folge, dass dann auch der Pflichtteilsanspruch sinkt. Sofern der Nachlass dürftig ist (das ist der Fall, wenn die Aktiva des Nachlasses so gering sind, dass die Kosten der Nachlassverwaltung und des Nachlassinsolvenzverfahrens nicht gedeckt werden könnten), so muss der Pflichtteilsberechtigte die Kosten nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz (Urteil vom 06.02.23 – 12 U 2099/21) sogar komplett selbst bezahlen.

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Ansprechpartner: Rechtsanwalt Kay in der Stroth